Die Aufgabe von Mark Mahon in diesem Sommer

Foto:Eishockey puck © pixabay.com.
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(lifePR) ( Bergisch Gladbach, Mai 20 ). Haie-Sportdirektor Mark Mahon hat einen interessanten Sommer vor sich. Die Verkleinerung des Budgets bringt die Haie in einen Pulk von Vereinen, die sich hinter den finanziell starken Clubs aus Mannheim und München positionieren. Mit Berlin, Ingolstadt, Nürnberg und Düsseldorf streiten sich die Kölner Haie um die finanzielle Platzierung dahinter. Dass Mahon mit Budgetkürzungen arbeiten kann, hat er im letzten Sommer bewiesen: Der Club hat den Generationenwechsel im deutschen Lager erfolgreich abgeschlossen und kann hier punktuell reagieren. Anders sieht das in den oberen Reihen aus: Die Top-Spieler, die im Spiel den Unterschied machen sollen, sind beim KEC rar gesät. Die neue Aufgabe von Mark Mahon ist es also, die Game-Changer nach Köln zu bringen.



Die Situation: Gehälter eingespart, aber Budgets gekürzt

Die Kölner Haie haben in Person von Sportdirektor Mark Mahon entscheidende Gehälter nach dieser Saison eingespart: Mit Kai Hospelt geht dem Vernehmen nach der Top-Verdiener der Mannschaft. Auch die weiteren Top5-Gehälter von Alex Sulzer, Felix Schütz sowie – bedingt durch das Karriereende – von Ryan Jones stehen nicht mehr auf der Gehaltsliste des KEC. Gepaart mit einer Mannschaft, die in den letzten Wochen eine Identität entwickeln konnte und auch dank der Ausrichtung des scheidenden Trainer Dan Lacroix viele Fans zurückgewinnen konnte. Eigentlich eine Situation, in dem ein gleichbleibendes oder gar angehobenes Budget die willkommene Basis für die Vertragsphase gewesen wäre. Stattdessen müssen die Haie mit einem kleineren Budget auskommen.

Zerressen als einziger Spieler mit altem Vertrag
Mark Mahon muss zusammen mit dem Team der Geschäftsstelle die richtigen Entscheidungen treffen und mit den neuen Spielern punkten. Ein Vorteil: Einzig der Vertrag von Pascal Zerressen gehört noch zu den alten Verträgen, die unter den vorherigen Geschäftsführungen geschlossen wurden. Die restliche Mannschaft ist den neuen finanziellen Rahmenbedingungen und Marktpreisen angepasst. Inzwischen ist der Kader auch die Mannschaft von Mark Mahon, der lange Zeit darauf warten musste, dass die Langzeitverträge ausliefen.

Torhüter: Die Haie sind gut aufgestellt
Auf der Torhüter-Position sind die Haie zur neuen Saison gut aufgestellt. Gustaf Wesslau wurde in den ersten Spielen der Viertelfinal-Serie gegen den ERC Ingolstadt sträflich allein gelassen. Die Quote musste er in den Playoffs mitziehen, war aber in den entscheidenden Spielen der Serie voll da und einer der stärksten Spieler der Kölner Haie. Ob der sympathische Schwede nach der Erfüllung seines Vertrags bis 2019/20 in Deutschland weiter macht, ist fraglich. Direkt hinter ihm wird im besten Fall für die übernächste Saison mit Hannibal Weitzmann eine neue Nummer 1 ausgebildet. Falls dies nicht gelingen sollte, kommt unter anderem mit Dustin Strahlmeier für die Saison 2020/21 ein hoch interessanter Schlussmann auf den Markt. Ein Gedankenspiel, mit dem sich die Haie sicher auch frühzeitig auseinander setzen werden, aber noch nicht jetzt.

Der Markt in der Verteidigung ist hart umkämpft
Berlin, Düsseldorf und Köln suchen dringend neue Verteidiger auf den Spitzenpositionen. Der erste namhafte Wechsel: McKiernan wechselt von der DEG zu den Eisbären Berlin. Nach haimspiel.de-Informationen hat Berlin für seinen neuen Verteidiger sehr tief in die Tasche gegriffen. Gehälter, die sowohl die DEG wie auch die Kölner Haie nicht mitgehen wollten. Doch dieser Kampf wird nicht der letzte in diesem Sommer gewesen sein: Alle drei Clubs benötigen mindestens zwei neue Verteidiger für die erste Reihe. Je nach Entscheidung von Simon Després werden die Kölner Haie sogar drei neue Verteidiger für die ersten drei Plätze benötigen, wenn sie eine entscheidende Rolle in der neuen Saison einnehmen möchten.

McKiernan nach Berlin, Jensen nach Düsseldorf
Sicher ist der Machtkampf um die Verteidiger zwischen diesen drei Clubs die spannendste Beobachtung auf dem Markt in diesem Eishockey-Sommer. Berlin sicherte die Dienste von McKiernan, die DEG schlug bei Bremerhavens Jensen zu. Mahon muss ein glückliches Händchen beweisen, um hier alles richtig zu machen. Dass in der Summe (über die drei Mannschaften) 6 neue Top-Verteidiger einschlagen, ist höchst unwahrscheinlich. Mindestens einer der Clubs wird auf diesen Positionen verlieren und einen Nachteil in der neuen Saison 2019/20 haben. In der Tiefe sollten die Kölner Haie in der Verteidigung durch Spieler wie Ugbekile oder Gnyp hinter den ersten sechs Positionen gut besetzt sein.

Apropos Verteidigung: U23-Regelung
Die U23-Regelung wird in der neuen Saison verschärft. Es müssen nun zwei Spieler auf dem Spielberichtsbogen stehen, die der Regelung entsprechen. Auf Kölner Seite ist unter normalen Umständen mit den Stammkräften Lucas Dumont und Colin Ugbekile bereits alles erfüllt. Für Verteidiger Gnyp ist die Rolle des Stammspielers sicher noch zu früh, aber auch er wird seine Einsätze in der DEL bekommen. Die Regelung wird auch den Druck auf die deutschen Spieler der älteren Generation erhöhen: Pascal Zerressen oder auch Alex Oblinger könnten hier durchaus Kandidaten sein. Ein ähnliches Schicksal – gebeutelt durch drei Kreuzbandrisse in den letzten 4,5 Jahren – erlitt Ex-Hai Marcel Ohmann, dem kein neuer Vertrag in der DEL angeboten wurde. Der in Köln ausgebildete Stürmer wird mit 28 Jahren seine Karriere aller Voraussicht nach beenden müssen. Aufgrund der Verletzungen nicht ganz vergleichbar, bleibt aber festzuhalten, dass der Druck auf die ältere deutsche Generation wächst.

Der Sturm: Top-Spieler dringend gesucht
Das Manko dieser Playoffs war vor allem die Chancenverwertung, die spätestens gegen Mannheim den Kölner Haien das Genick brach. Mit Jason Akeson wurde der interne Topscorer gehalten und wird mit F. Tiffels weiter für Gefahr sorgen. Wenn sich der KEC weiterentwickeln möchte, benötigt er noch eine zweite funktionierende Reihe. Mahons Aufgabe ist es, die entsprechenden Mitspieler in den Top-Reihen zu Akeson oder F. Tiffels zu finden. Jon Matsumoto und Jason Bast gelten als sichere Neuzugänge beim KEC. Parallel hierzu könnte nach Angaben der Rheinischen Post Mannheims Playoff-Topscorer Luke Adam zur DEG wechseln.

Topscorer Matsumoto gilt als sicherer Neuzugang
Jon Matsumoto gilt in Köln als sicherer Neuzugang, ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Zuletzt stand er in den Diensten der Iserlohn Roosters und wurde in der abgelaufenen Saison Topscorer des Teams. In den Spielzeiten zuvor wurde er bei RB München als wichtigster Spieler der Playoffs gekürt. Mit dem bayrischen Team konnte er zwei Meisterschaften in Folge gewinnen und war Topscorer der Playoffs. Matsumoto wird in Köln sicher als Center eingeplant; eine Position, die bei den Kölner Haien besonders in den vorderen Reihen seit Jahren vakant ist.

Mit Ben Hanowski trifft er in Köln zudem auf einen alten Kollegen aus Augsburger Zeiten. Auch nicht unbekannt: Mike Stewart als vermeintlich neuer Trainer der Kölner Haie, der 2015/16 die beiden Stürmer in Augsburg trainierte. Aber auch hier ist eine offizielle Bekanntmachung des Clubs noch offen. Außerdem wird wohl Nürnbergs Jason Bast neu in den Kölner Kader kommen. Der Stürmer erzielte in 50 DEL-Spielen der letzten Saison 35 Punkte. Der 29-jährige Deutsch-Kanadier ist ebenfalls Center.

Sorgt Mahon für weitere Tiefe im Sturm?
Die Ausländer-Positionen sind bei den Kölner Haien dann schon gut gefüllt. Wesslau, Akeson, Genoway, Hanowski und – trotz Iserlohner Engagement – auch Neuzugang Matsumoto besetzen die ersten A-Lizenzen. Wenn die Haie drei Ausländerlizenzen für die Top-Positionen in der Verteidigung vergeben, sind damit bereits acht von neun Ausländer beim KEC gesetzt. Eine weitere offene Stelle wäre noch für den Sturm frei. Sollte Mahon die Tiefe weiter besetzen wollen, wird er sehr wahrscheinlich auf deutsche Spieler zurückgreifen müssen, um die offene Lizenz in den Top-Reihen zu vergeben. So können die Kategorie frei gewordene Talente wie Düsseldorfs Lukas Laub oder aber freie, erfahrene Spieler wie Bremerhavens Rylan Schwartz eine Rolle in den Planungen des KEC spielen.

Wo positioniert sich Marcel Müller im Team?
Ein weiterer “Neuzugang” dürfte zur neuen Saison auch Marcel Müller sein, wobei hier gänzlich offen ist, welche Rolle er im Team spielen kann und wird. Er verpasste die komplette Spielzeit 2018/19 der Kölner Haie und musste eine langwierige Reha durchmachen. Aus dem Umfeld war zwischendurch auch zu hören, dass der Stürmer zu früh zurück aufs Eis geschickt wurde. Obwohl er eine Option in den Playoffs werden sollte, war er in der Zeit des Viertelfinales gar nicht (mehr) auf dem Eis.

Sicher ist: Die Haie sind aktiv auf dem Markt
Der Sommer der Kölner Haie wird erneut spannend. Doch nicht, weil ein großer Neuaufbau getätigt werden muss, wie in den Jahren zuvor, sondern weil punktuelle Verstärkungen folgen müssen. Die Verteidigung: Sehr spannend, wie Mahon den Club aufstellt. Die Neuzugänge im Sturm neben den vermeintlichen Centern Matsumoto und Bast: Viel denkbar. Die Berater werden in den letzten Wochen oft in der Haie-Geschäftsstelle zu Besuch gewesen sein. Doch auch die frühen Absagen an Spieler wie McKiernan oder Adam zeigen: Die Haie scheinen eine Auswahl an Spielern zu haben. Täglich wurden und werden Verhandlungen geführt. Die ersten Ergebnisse sind noch nicht präsentiert, aber der Club scheint sich bei jedem Neuzugang die Frage zu stellen: Ist ein doppelt so teurer Spieler auch doppelt so gut für unsere Mannschaft?

Mahons Aufgabe: Spieler, die den Unterschied machen
Mahon muss vor allem beweisen, dass er Spieler in die Domstadt lockt, die den Unterschied machen können. Viele Gespräche werden geführt und einige Spieler stehen auf dem Zettel von Mark Mahon. In der DEL wird er besser wissen, welchen Spieler er bekommt und die Charakterfrage auch besser beurteilen können. Im Ausland wird er eventuell auch nochmal ein glückliches Händchen beweisen müssen. Zuletzt schaffte er das durch seine privaten Kontakte zu Trainer Dan Lacroix. Lacroix kam bis zum Saisonende nach Köln und sorgte dafür, dass wir uns auf die neue Saison mit großen Teilen des Teams freuen, das in den Playoffs großen Charakter gezeigt hat.