Nach einer kaum wahrnehmbaren Berührung geht Heiko Herrlich zu Boden. Der Leverkusener Coach sorgt im DFB-Pokal gegen Gladbach für die kurioseste Szene des Spiels, entschuldigt sich aber später. Tiefpunkt ist ein brutales Foul.

Es lief die 75. Minute im DFB-Pokal zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen, als sich im Gladbacher Nordpark der Vorhang für eine ganz besondere Showeinlage öffnete. Borussias Abwehrspieler Denis Zakaria trudelte nach einem Zweikampf an der Außenlinie in Richtung der Trainerbänke, genau dort, wo Heiko Herrlich stand. Der Bayer-Coach drehte sich galant zur Seite; niemand ahnte, dass gleich Schlimmes passieren würde. Zakaria berührte den Gästetrainer leicht mit der Hand am Rücken. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf, allerdings zeitverzögert.

Denn eine ganze Weile später verlor Herrlich erst das Gleichgewicht. Wie ein Betrunkener im Karneval kippte er zur Seite und blieb liegen. Herrlich deutete in Richtung des jungen Gladbachers. Offenbar reklamierte der Trainer, vom 21-Jährigen gerempelt worden zu sein.

Sofort bildete sich eine Traube aus Spielern und Betreuern. Alles, was laufen konnte, rannte zur Leverkusener Bank und diskutierte wild. Herrlich durfte sich einiges anhören, nur Gladbachs Trainer Dieter Hecking war die Ruhe selbst. Er würdigte die bizarre Szene keines Blickes.

Die Slapstick-Einlage seines Kollegen erinnerte stark an die peinlichste Trainer-Schwalbe der Bundesliga: Norbert Meier, im Jahr 2005 noch Trainer des MSV Duisburg simulierte einen schweren Niederschlag, nachdem der damalige Kölner Albert Streit eine Kopfnuss angedeutet hatte. Schiedsrichter damals übrigens auch: Manuel Gräfe. Meier bezahlte die Schauspielerei teuer: Der Klub entließ ihn.

Zwei harte Fouls bleiben ungeahndet

Das dürfte Herrlich erspart bleiben, schließlich triumphierte sein Team beim 1:0-Sieg über Gladbach und steht damit im Viertelfinale des DFB-Pokals. Auch in der Liga läuft es bestens für die Werkself. Doch im Spiel gegen Gladbach waren die Leverkusener das unterlegene Team, sie hatten Glück, dass Gräfe den Leverkusener Kai Havertz nach einem Ellbogencheck gegen Matthias Ginter nicht verwarnte und ihn mit Gelb-Rot vom Platz schickte.

Es war eine rüde Attacke. Die hässlichste Aktion des Spiels blieb allerdings einem Gladbacher vorbehalten – und zwar ausgerechnet Zakaria. Der rauschte quasi mit dem Schlusspfiff mit gestrecktem Bein in den Leverkusener Benjamin Henrichs hinein und traf ihn voll am Knöchel.

Zakarias brutales Einsteigen blieb zunächst folgenlos, denn der Schiedsrichter sanktionierte die Aktion nicht. Henrichs wand sich derweil mit großen Schmerzen auf dem Rasen.

Herrlich bewies nach dem Spiel Größe und entschuldigte sich für seine Schwalbe. „Der Ball kam auf mich zu, ich lasse ihn durch die Beine, damit Gladbach nicht schnell einwerfen kann. Das hätte ich nicht machen brauchen, das war Blödsinn“, sagte Leverkusens Coach.

Er versuchte sich an einer Erklärung für den Vorfall. „Dann touchiert Zakaria mich leicht, ich rutsche weg. Das sah sicher blöd aus und ist im Affekt passiert. Da muss ich mit meinen 46 Jahren stehen bleiben, ganz klar. Ich wollte da sicher keine Rote Karte fordern“, sagte Herrlich. Er schäme sich für die Aktion, fügte er an.

Zakaria nahm die Situation nach der Begegnung mit Humor. „Das ist Fußball und ist aus der Emotion heraus passiert. Auch die Trainer machen das“, sagte der Gladbacher mit einem Lachen. Zu seinem Foul am Spielende äußerte er sich nicht.